Grabsuche am Gletscher

10 Jahre Kriegsgräberstätte Apscheronsk

Schon im Vorfeld zu der Gedenkveranstaltung auf der deutschen Kriegsgräberstätte Krasnodar-Apscheronsk startete eine gemeinsame Exkursion von deutschen und russischen Soldaten. Sie suchen nach bisher unbekannten Gräbern in einem abgelegenen Gletschergebiet des Nordkaukasus.

Anlass zur aktuellen Exkursion sind neue Meldungen über offen liegende Grablagen im Gebirge des Nordkaukasus. Durch das Abschmelzen der Gletscher ist nun - nach über sieben Jahrzehnten - die professionelle Suche nach diesen Kriegstoten möglich geworden. Zugleich weiß der Volksbund, dass es unweit dieser Stelle am Kluchor-Pass nahe der georgischen Grenze einen weiteren Soldatenfriedhof aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gegeben hat. Beides soll nun überprüft werden.


Deutsch-russische Seilschaft im Gletscher unterwegs

Ein Hinweis auf die gute deutsch-russischen Zusammenarbeit: Die vom scheidenden Moskauer Verteidigungsattaché, Brigadegeneral Reiner Schwalb maßgeblich unterstützte Sondierung wird von deutschen und russischen Soldaten gemeinsam durchgeführt. Nach derzeitigen Planungen wird von Mitte bis Ende August eine Gruppe, zusammengesetzt aus Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bad Reichenhall, russischen Gebirgsjägern, Vertretern des deutschen Militärattaché-Stabes aus Moskau sowie des Volksbundes vor Ort sein.

Das Ziel ist die Bergung und würdige Bestattung 

Ziel der Sondierung: Nach hoffentlich erfolgreicher Lokalisierung der Gräber sollen die dort vermuteten Gebeine in einer weiteren Expedition geborgen werden. Dies sind die Voraussetzungen für die spätere Identifizierung der Toten. Wenn alles gelingt, sollen diese Kriegstoten aus dem - vermeintlich ewigen Eis - schließlich auf der deutschen Kriegsgräberstätte Apscheronsk würdig bestattet werden.

 

Zum historischen Hintergrund

Die Soldaten starben meist während der deutschen Sommeroffensive von 1942 und gehörten zur Heeresgruppe A, die am unteren Don nach Süden und Südosten vorstieß. Ein Ziel von Hitlers Angriffs- und Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion war Ausbeutung des Landes, die Ermordung und Vertreibung der Menschen und Plünderung der Ressourcen. Anfang August eroberten die deutschen Wehrmachtssoldaten die Ölfelder von Maikop und kämpften sich weiter östlich bis an den Kaukasus vor. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Front bereits so überdehnt, so dass mangelnder Nachschub sowie die wachsende sowjetische Verteidigung den Vormarsch schließlich zum Erliegen brachten. Der endgültige Rückzug der Wehrmacht aus dem Kaukasus begann ab Dezember 1942 und brachte erneut hohe Verluste an Menschenleben auf beiden Seiten. Im März 1943 standen die deutschen Truppen etwa wieder auf der Position, von der aus sie ihren Angriff begonnen hatten.


Aktueller Nachtrag! 

Bei der Exkursion im Nordkaukasus gibt es aktuell einen Teilerfolg zu vermelden: Der deutsch-russischen Gebirgsjäger-Suchgruppe, der sich auch Volksbund-Generalssekretärin Daniela Schily und Abteilungsleiter Arne Schrader angeschlossen haben, ist es gelungen, die genaue Stelle des Soldatenfriedhofes zu lokalisieren.Allerdings wurde bei den zahlreichen, in den steinigen Boden gezogenen Sondierungsgräben bisher keine Gebeine von Kriegstoten gefunden. Stattdessen beförderten die Grabungen lediglich alte Schnallen, Patronenhülsen, Teile eines deutschen Karabiners und anderen Metallschrott ans Tageslicht. 

Zeitzeugin gefunden

Momentan suchen die 15 Soldaten gemeinsam mit Volksbund-Generalsekretärin Daniela Schily aber weiter in dem schwer zugänglichen Gebiet. Zugleich ist es gelungen, vor Ort eine Zeitzeugin zu finden, die womöglich noch wichtige Hinweise auf die alten Grablagen geben kann. Dieser beispielhafte Fall zeigt zugleich, wie schwierig, zeit- und auch kostenintensiv es ist, solche Kriegsgräber zu finden.


Wir werden über den Fortgang dieser Exkursion weiter berichten.

Lesen Sie auch unsere Reportage zur Gedenkveranstaltung auf der Kriegsgräberstätte Apscheronsk am 25. August 2018.


Weitere Informationen zur Kriegsgräberstätte Apscheronsk finden Sie hier.